Marguerite Spycher

Autorin | Graphologin

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EIN PAPST ZU VIEL

Ein «erzählendes Sachbuch» von Marguerite Spycher

Im «Autographensammler» 1/2019 veröffentlichte die Graphologin und Schriftpsychologin Marguerite Spycher einen Beitrag mit dem Titel «Ein ungewöhlicher Auftrag führt zu bemerkenswerten Erkenntnissen», in dem die sich mit der Frage auseinandersetzt, ob es im Mittelalter eine Päpstin namens Johanna gegeben haben könnte.

Jetzt hat sie ein Buch veröffentlicht mit dem Titel EIN PAPST ZU VIEL. WIE ICH ALS GRAPHOLOGIN DIE PÄPSTIN JOHANNA ENTDECKTE. Sie schildert, dass alles mit einer Mailanfrage begann. Die Autorin wurde angefragt, ob es möglich sei, mit graphologischen Methoden Papstmonogramme aus dem 9. Jahrhhundert zu untersuchen. Sie liess sich auf den Forschungsauftrag ein - und entdeckte Unerwartetes: Es müssen in dieser Zeit zwei Päpste mit dem Namen Johannes im Amt gewesen sein. In der Liste der Päpste wird aber nur einer aufgeführt, Johannes VIII., der von 872 bis 882 auf dem Heiligen Stuhl sass. Dieser Papst soll sein Monogramm in der laufenden Amtszeit geändert haben - etwas, das von der Funktion der Monogramme her keinen Sinn ergibt. Das war der Auftakt für intensive Recherchen, die sie in ihrem Buch beschreibt und die zu völlig neuen Erkenntnissen führten.

Die Autorin beleuchtet die Frage, ob es eine Päpstin gegeben hat, aus verschiedenen Blickwinkeln. Neben den Monogrammen betrachtet sie die zahlreichen Legenden udn Chroniken, in denen eine Päpstin erwähnt wird, abenso wie die zahlreichen Gegenpäpste (es gab im Mittelalter beispielsweise einen Papst Johannes XXIII., der in den Papstlisten als Gegenpapst aufgeführt und darum nicht gezählt wird. Erst von 1958 bis 1963 gab es wieder einen Papst Johannes, der «Papa buono» Johannes XXIII.).
Marguerite Spycher untersucht auch die Rolle der Frau in der Römisch-Katholischen Kirche und stellt heraus, dass es nördlich der Alpen mächtige Bischöfinnen und Äbtissinnen gegeben hat.
Ein weiterer Aspekt ihrer Betrachtungen ist die offizielle vatikanische Politik, dass geistliche Ämter bis zum heutigen Tag Männern vorbehalten sind und dass eine Frau, die wie auch immer Papst geworden ist, nicht in dieses Bild passt.
Hat man die Päpstin einer damnatio memoriale unterzogen nach dem Motto, «Was nicht sein darf, kann auch nicht sein»?
Marguerite Spycher kommt zum Schluss, dass es eine Päpstin Johanna gegeben hat und erhielt im ZDF die Gelegenheit, ihre Forschungen vorzustellen.

Das Buch ist forschungs- und sachorientiert und aufgrund des Stils gut und flüssig zu lesen. Sie bezieht Leserinnen und Leser immer wieder direkt in ihre Überlegungen mit ein, so dass es sich um eine ansprechende, sapnnende und faszinierende Lektüre handelt.

Auch wenn man den Bereich «Kirche und Theologie» nicht sammelt, ist das Buch lesens- und empfehlenswert!

Heinz-Ulrich Kammeier: «Autographensammler» 3/2022. Mitgliedermagazin der Arbeitsgemeinschaft der Autographesammler e.V., Münster (D)